Gehtraining: Die Basistherapie der Schaufensterkrankheit

Bei der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) handelt es sich um eine Störung der Schlagaderdurchblutung der Beine. Sie entsteht durch Einengungen oder Verschluss der die Beine versorgenden Schlagadern (Arterien). In Deutschland leiden nach Angaben der Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin rund 4,5 Millionen Menschen an einer solchen pAVK.

Ursache ist meist der schleichende Verschluss einer Schlagader durch eine Gefäßwandverfettung und -verkalkung (Atherosklerose). Die pAVK tritt in 90 % aller Fälle in den Beinen auf, die anderen zehn Prozent betreffen die Arme. Männer erkranken meist vor dem 55. Lebensjahr und dreimal häufiger als Frauen, welche eher vor dem 65. Lebensjahr erkranken.

Die Gefäßverengung ist ein langsam fortschreitender Krankheitsprozess, der alle Arterien des Körpers betreffen kann. Verursacht wird die pAVK vor allem durch ein Zusammenspiel von den vier Hauptrisikofaktoren:

  • Rauchen
  • Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus),
  • Bluthochdruck (arterielle Hypertonie),
  • Fettstoffwechselstörungen

Die entstehenden Beschwerden (Symptome) in den Beinen sind abhängig vom Ausmaß und der Verteilung der Engstellen in den Bauch - und Beinschlagadern. So klagen Patienten über belastungsabhängige Schmerzen und ein "manschettenartiges Engegefühl" seltener im Bereich der Gesäßmuskeln, häufig aber im Bereich der Wadenmuskeln (sogenannte Claudicatio intermittens oder auch Stadium II der pAVK nach Fontaine bzw. Stadium 1-3 nach Rutherford).

Diese Symptome entstehen dadurch, dass die Adern durch die Verengungen nicht mehr weit genug sind, um genügend Blut pro Zeit in diejenigen Muskeln zu transportieren, die beim Laufen belastet werden und somit mehr Sauerstoff benötigen. So drohen diese Muskeln zu "ersticken" - der Körper teilt das durch die entstehenden unerträglichen Schmerzen mit und stoppt so die Belastung dadurch, dass der Patient stehen bleiben muss. Dieses "Stehenbleiben" ist nach unterschiedlichen Gehstrecken notwendig, abhängig zum Beispiel von der Gehgeschwindigkeit und der Steigung. Daher erhielt die periphere arterielle Verschlusskrankheit in diesem Stadium den Namen "Schaufensterkrankheit".

Abb. 1

Viele Menschen haben allerdings trotz bestehender Gefäßverengungen keine typischen Beschwerden im Sinne einer „Claudication“.

Wenngleich Eingriffe mit Kathetern, Ballons und Stents sowie vor allem auch die chirurgischen Eingriffe langfristig eine Besserung der Beschwerden und Verlängerung der Gehstrecke bei Schaufensterkrankheit bewirken können, ist das Gehtraining die Basistherapie der Schaufensterkrankheit.

Im Gegensatz zur landläufigen Meinung ist es nicht förderlich „in den Schmerz zu Laufen“. Mit dieser Art des „Trainings“ kann keine Besserung erreicht werden. Man muss sich vorstellen, dass der Körper versucht, die verschlossenen oder engen Gefäßabschnitte ähnlich einer Umleitung bei Stau auf der Autobahn, zu umgehen. Hierzu werden ehemals kleine Gefäße erweitert und zu einem geringen Teil auch neue Gefäße ausgebildet. Effektiv kann dies aber nur erfolgen, wenn das Bein ausreichend Sauerstoff bekommt, das heißt, dass das Laufen beendet wird, noch bevor der Schmerz beginnt! Diese antrainierten Umleitungen entstehen aber nicht plötzlich, sondern nur unter konsequentem regelmäßigem Training langsam – dafür aber auch nachhaltig!

Hierzu ist es wichtig, dass man die maximale noch beschwerdefreie Strecke misst und kennt, um den anschließend eintretenden Schmerz bewusst zu vermeiden. Eine Anleitung hierzu erfolgt bei unseren „Schaufensterpatienten“ bereits auf der Station während des Aufenthalts durch unsere geschulten Gefäßassistentinnen.

In den Fällen aber, wo die Gefäßkrankheit das Stadium der Schaufensterkrankheit überschritten hat und es schon zu Ruheschmerzen gekommen ist oder bereits Gewebeteile abgestorben sind, ist diese sportliche Belastung verboten. Darüber entscheidet letztlich ihr betreuender „Gefäßdoktor“.

Durch ein gezieltes, und vor allem wie bei jeder Sportart regelmäßiges Gehtraining, ist es nachweislich möglich, die Durchblutung zu verbessern und ein Fortschreiten der Krankheit zu bremsen. Geeignete Belastungen sind leichte Gymnastik, Radfahren, Schwimmen, Tanzen, Treppensteigen und vor allem der Gefäßsport unter Anleitung!

Das eigentliche Üben ist als Intervalltraining wie im Leistungssport zu verstehen. Das heißt, man hält an, kurz bevor Schmerzen deutlich spürbar werden, ruht sich kurz aus (mindestens zwei Minuten) und nimmt anschließend das nächste Teilstück schmerzfrei in Angriff. Das Training sollte idealerweise in den täglichen gemütlichen Spaziergang eingebaut werden, in den Pausen ist leichte Gymnastik und ein Lockern der Muskeln zu empfehlen.

Zur Ermittlung der individuellen Gehtrainingsstrecke wird bei zügigem Tempo (2 Schritte pro Sekunde) die Schrittzahl gezählt, bei der der eintretende Schmerz zum Stillstand zwingt. Von dieser maximalen Belastung zieht man nun 1/3 der Schritte ab. Diese Schrittzahl ist die Trainingszahl für die nächsten Tage. Beispiel: Schritte bis zum Wadenschmerz und Stillstand 120, Abzug eines Drittels, also 120–40, ergibt die Trainingsschrittzahl 80. Nun kann das Gehtraining nach Trainingsplan beginnen, hilfreich ist hierbei ein Schrittzähler und eventuell ein Metronom, das den Rhythmus vorgibt.

Das Training wird eingeteilt in eine Phase 1 der Gewöhnung und eine Phase 2 des Aufbaus. In der Gewöhnungsphase, die etwa 3–4 Wochen dauern kann, wird anfangs einmal täglich 15 Minuten trainiert, später dann zweimal pro Tag. In der anschließenden Aufbauphase, die weitere 4–6 Wochen dauert, wird das Training auf 20–30 Minuten 1–2 Mal pro Tag gesteigert. Insgesamt dauert ein solches  strukturiertes Gehtraining mindestens 6 Monate, ideal ist ein Training aber durchaus zeitlebens, um das Fortschreiten der Gefäßkrankheit zu bremsen.

Abb. 2

Die Treffen zum gemeinsamen Training einmal wöchentlich in der Gehsportoder Gefäßsportgruppe dient dazu,  ergänzend zum täglichen selbständigen Gehtraining allgemeine Verbesserungen der Kraft, Motorik, Koordination, Beweglichkeit und Kondition zu erlangen.

Zu Lernen ist unter anderem ein bewusstes Abrollen über den gesamten Fuß. Wichtig sind aber vor allem Pausen, in denen sich die beanspruchte Muskulatur erholen kann. Somit gilt: Nicht Schwitzen und Schnaufen, sondern bewusst belasten! Das geht idealerweise in der Gruppe und unter Anleitung einer speziell für den Gefäßsport geschulten Übungsleiterin sowie unter ärztlicher Mitbetreuung.

Unsere Gehsportgruppe, die in Zusammenarbeit mit dem SV Werder Bremen im November 2012 als erste Gehtrainingsgruppe in Bremen gegründet wurde, trifft sich jedem Montag von 15:30 Uhr bis 16:45 Uhr und von 16:45 Uhr bis 18:00 Uhr im wohninvest WESERSTADION, Halle West.

Ausgebildeter Übungsleiter und Ansprechpartner ist Herr Hermann Heuke.

Weitere Informationen und Kontaktdaten entnehmen Sie bitte dem unten abgebildeten Informationsfolder

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