
Betriebsratsvorsitzender Olaf Bullert über den Umgang mit Diskriminierung und die Kampagne #ZeigRespekt
GeNoMagazin: Sie haben sich als Betriebsrat immer wieder für ein klares Statement der Gesundheit Nord gegen Diskriminierung stark gemacht – und damit letztlich auch die Kampagne #Zeig Respekt angestoßen. Was waren Ihre Beweggründe?
Olaf Bullert: Als Betriebsratsgremium werden wir immer wieder damit konfrontiert, dass Kolleginnen und Kollegen respektloses Verhalten, Diskriminierung oder sogar Gewalt erleben. Das gab es früher auch schon – aber in den vergangenen Jahren hat sich das gesellschaftliche Klima zunehmend verändert, und das spüren wir natürlich auch in unseren Krankenhäusern. Das betrifft nicht nur das Verhalten von Patienten und Angehörigen, sondern leider auch von Menschen, die bei uns beschäftigt sind. Wir müssen gemeinsam Haltung zeigen und deutlich machen, dass das bei uns absolut nicht geduldet wird. Wer andere nicht mit Respekt und Anstand behandelt, hat bei uns nichts verloren.
Gab es eine bestimmte Situation oder einen Moment, der Ihnen deutlich gemacht hat: Hier reicht es nicht mehr, einzeln zu reagieren, hier brauchen wir ein klares Statement des Unternehmens?
Das kann ich nicht an einem bestimmten Moment festmachen. Es war eher eine Reihe von Beispielen. Als wir vor einigen Jahren als Gremium auch die Bildungsakademie in unsere Zuständigkeit übernommen haben, haben uns die Auszubildenden immer wieder von Situationen berichtet, in denen sie sich rassistische Äußerungen anhören mussten. Vor ein paar Jahren sind im Klinikum Links der Weser Plakate für eine Schulstation rassistisch beschmiert worden. Und im vergangenen Jahr hat sich eine Station aus dem Klinikum Bremen-Ost an uns gewandt: Die Kolleginnen und Kollegen dort haben mehrfach erlebt, dass Patienten rechte Parolen von sich gegeben haben. Um das auch gleich dazu zu sagen: Die Vorgesetzten haben gut darauf reagiert, und auch die Leitung der Bildungsakademie, Frau Wendorff, kümmert sich mit ihrem Team gut um die Auszubildenden, nimmt solche Vorfälle ernst und geht dem nach. Dennoch sind wir der Meinung: Es ist an der Zeit, dass wir als Unternehmen reagieren. Deshalb bin ich froh, dass nun die Kampagne auf den Weg gebracht worden ist. Wir sind ein buntes, vielfältiges Unternehmen – und das sollten wir auch zeigen.
Sie haben das veränderte gesellschaftliche Klima angesprochen: Extremistische Parteien haben derzeit starken Zulauf, und auch im alltäglichen Umgang scheinen Hemmschwellen zu sinken. Macht sich diese Entwicklung in Krankenhäusern in besonderem Maße bemerkbar?
Krankenhäuser sind Orte, in denen sich Menschen in besonderen Situationen begegnen. Patienten und ihre Angehörigen sind in einer emotionalen Ausnahmesituation, zugleich gibt es bei uns Berufe wie die Pflege oder die Physiotherapie, die sehr körpernah sind. Ich glaube, insgesamt sind Krankenhäuser ein Spiegel unsere Gesellschaft, so wie jedes andere Unternehmen, in dem viele Menschen aufeinandertreffen. Aber im Krankenhaus treten Konflikte vielleicht noch intensiver zutage. Umso wichtiger ist ein respektvoller Umgang miteinander. Es ist wichtig, dass Grenzen respektiert werden, dass übergriffiges Verhalten nicht geduldet wird.
Wo steht die Geno dabei?
Ich glaube, dass wir im Vergleich zu anderen Krankenhäusern schon vieles richtig machen. Wir schauen hin und handeln. Nur ein kleines Beispiel: Wir haben uns als Betriebsrat für eine andere Dienstkleidung eingesetzt, weil die bisherige nach vielen Wäschen oft nicht mehr blickdicht war und insbesondere die Kolleginnen sich damit unwohl gefühlt haben. Jetzt wird neue Dienstkleidung beschafft – das Thema ist also ernst genommen worden. Auch als die Plakate der Schulstation rassistisch beschmiert worden waren, ist sofort reagiert worden und die Plakate wurden ausgetauscht. Und nicht zuletzt haben wir mit der Geschäftsführung nun die Betriebsvereinbarung Antidiskriminierung abgeschlossen, die den Umgang mit dem Thema regelt und Anlaufstellen für Betroffene schafft. Ich glaube, das Bewusstsein ist vorhanden, auch wenn es sicher noch einigen Handlungsbedarf gibt.
Was wünschen Sie sich im Hinblick auf dieses Thema für die Zukunft?
Ich wünsche mir, dass jeder, der Diskriminierung erlebt, den Mut hat, sich zu melden. Dass wir niemanden mehr damit durchkommen lassen, wenn er sich anderen gegenüber rassistisch oder herabwürdigend verhält und Grenzen überschreitet. Ich wünsche mir, dass das Fehlverhalten Konsequenzen hat. Das muss von den Führungskräften vorgelebt werden – und wir sind alle gefordert, daran mitzuarbeiten.
Zur Person:
Olaf Bullert ist seit vielen Jahren beruflich in Bremens kommunalen Kliniken zu Hause. Bereits 1986 machte er seiner ersten beruflichen Schritte im Klinikum Bremen-Nord, damals zunächst als Extrawache. Später arbeitete er acht Jahre lang als Fachkrankenpfleger auf der Intensivstation des Klinikums Bremen-Nord, bevor er dann in die Krankenhaushygiene wechselte. Insgesamt arbeitete er 26 Jahre lang als Hygienefachkraft. Bereits 1995 war er in der Arbeitnehmervertretung aktiv – auch dies zunächst in Bremen-Nord, bis er 2016 in den Betriebsrat der Geschäftsbereiche wechselte. Seit 2019 ist er freigestellter Betriebsrat.
Betriebsratsvorsitzender Olaf Bullert im Interview
Respekt und ein diskriminierungsfreies Miteinander sind uns wichtig. Im Interview mit dem GeNo-Magazin spricht Olaf Bullert über die Kampagne #ZeigRespekt, die Haltung der Gesundheit Nord und den Umgang mit Diskriminierung im Krankenhausalltag.
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Die Integrationsbeauftragte in unseren Häusern helfen beim Ankommen . Sie kennen sich mit Fragen rund um Stationsalltag, Anträge und Sprachförderung aus. Sie fungieren als Bindeglied zwischen Direktion, Station und den Internationals.
Gesamtbetriebsvereinbarung Antidiskriminierung
Mit der „Gesamtbetriebsvereinbarung Antidiskriminierung“ hat die Gesundheit Nord eine Regelung für den Umgang mit diskriminierendem Verhalten geschaffen
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Alle Unterstützungsangebote und viele hilfreiche Informationen veröffentlichen wir im GeNo-Magazin der Gesundheit Nord - der digitalen Mitarbeiterplattform, die unsere Mitarbeiter auch von privaten Gerät aus erreichen können. Zugang nur für Kolleginnen und Kollegen der Gesundheit Nord mit dem intern bekannten Login.












