In langsamen Tempo kommt er auf einen zugerollt, die beiden hellen Lichter sehen aus wie zwei leuchtende Augen. Und wer im Weg steht, den bittet es höflich, zur Seite zu treten. Dieser künstliche Kollegen in silber-metallic hat einen Auftrag und fährt selbständig durch das Klinikum. Er transportiert in seinem geladenen Container das, was täglich auf den Stationen gebraucht wird: Medizinprodukte, Wäsche oder Mahlzeiten. Was früher mühselig per Hand an den richtigen Ort gezogen und geschoben werden musste, übernehmen heute diese insgesamt 18 sogenannten Unterfahrtschleppern. Ihre Basis, FTS-Bahnhof, haben sie im Keller des Krankenhauses, dort bekommen sie ihren Auftrag, ihre Ladung und können eine Pause einlegen, wenn ihr Akku aufgeladen werden muss.
Seit das Klinikum Bremen-Mitte 2019 in Betrieb gegangen ist, ist das Fahrerlose Transportsystem – kurz: FTS – kaum mehr wegzudenken. „Dieses System ist eine große Entlastung“, sagt Torsten Hentschel, Objektleiter des Klinikums Bremen-Mitte aus dem Bereich Bau und Technik. Was früher mühselig per Hand an den richtigen Ort gezogen und geschoben werden musste, übernehmen heute die insgesamt 18 sogenannten Unterfahrtschleppern. Ihre Basis, FTS-Bahnhof, haben sie im Keller des Krankenhauses, dort bekommen sie ihren Auftrag, ihre Ladung und können eine Pause einlegen, wenn ihr Akku aufgeladen werden muss.
„Die Fahrzeuge werden programmiert und fahren dann komplett selbstständig durchs Krankenhaus. Per Laserscanner erkennen die Fahrzeuge, wenn etwas im Weg steht, und über Magneten, die in die Krankenhausflure verbaut sind, erkennen sie ihren Weg und hangeln sich von Punkt zu Punkt. Es ist ein System, das nicht nur in den Anfängen des Klinikums Bremen-Mitte vor 175 Jahren sondern auch bis vor wenigen Jahrzehnten noch undenkbar schien. Und es ist ein herausragendes Beispiel für den großen Wandel in der Krankenhauslogistik.
„Es ist eine riesige Verantwortung ein so großes Krankenhaus wie das Klinikum Bremen-Mitte – und natürlich auch die drei anderen Geno-Krankenhäuser rund um die Uhr mit dem zu versorgen, was es benötigt“, sagt auch Uwe Krause, der das Zentrum Wirtschaftsbetriebe und Logistik bei der Gesundheit Nord (GeNo) leitet. „Eine moderne Krankenhauslogistik braucht da immer wieder innovative Lösungen.“ Die Warenströme innerhalb des Krankenhauses über das FTS-System sind da nur der eine Teil. Die zweite Frage ist, wie die Krankenhäuser von außen beliefert werden. Während ganz früher wichtige Lieferungen für das Krankenhaus noch per Kutsche und Korea-Wagen kamen, später dann die ersten Autos über das Krankenhausgelände düsten und es einen eigenen Hof für Kraftfahrzeuge gab, spielt heute das Güterverkehrszentrum eine zentrale Rolle. Hier befindet sich das Logistikzentrum der Gesundheit Nord, wo alles gelagert wird, was die Krankenhäuser der Gesundheit Nord benötigen, um Patientinnen und Patienten zu versorgen – von der Atemmaske bis zum Zentralen Venenkatheter. Hier werden jeden Tag Dutzende LKWs und weißen Sprinter beladen und machen sich auf den Weg in die Krankenhäuser, um für Nachschub zu sorgen. „Da steht ein großes, engagiertes Team dahinter, das diesen Warenstrom jeden Tag möglich macht“, sagt Krause.
Ein Logistik-Thema, das auf den ersten Blick auch eher nach Kutsche von früher klingt, aber in einer modernen Form auch in der Neuzeit seinen Platz gefunden hat, ist das Rohrpostsystem. Denn neben Medizinprodukten, Wäsche und Mahlzeiten müssen innerhalb des Krankenhauses auch Dinge transportiert werden, die so schnell wie möglich von A nach B gebracht werden: Blut- und Urinproben gelangen so von den Pflegestützpunkten ins Labor, Blutkonserven und Blutplasma kommen aus der Transfusionsmedizin in die gewünschten Bereiche, Gewebeproben aus dem OP in die Pathologie oder nicht vorrätige Medikamente aus der Apotheke auf die Stationen. Etwa sechs Meter pro Sekunde legen die Transportkapseln zurück, Blutproben werden etwas langsamer transportiert.
Auch wenn diese Technik aus dem 19. Jahrhundert, also praktisch dem Gründerjahrhundert des Klinikums Bremen-Mitte stammt. „So gibt es bis heute kaum ein anderes System, dass zum Transport von kleinen Gütern so effizient, schnell und sicher ist“, sagt Objektleiter Torsten Hentschel.
Sicher und zuverlässig ist auch das FTS-System: „Unfälle sind uns seither nicht bekannt. Natürlich war es anfangs neu für alle. Aber Mensch und Maschine haben sich hier im Krankenhaus mittlerweile aneinander gewöhnt“, sagt Torsten Henschel. „Stauenden Blicke von Besuchern oder Patienten gibt es aber auch noch immer wieder“. Denn während die Begegnung mit den fleißigen Fahrzeugen für die Krankenhausteams längst zum Alltag gehören, bleibt es für viele Außenstehende weiter eine ungewöhnliche und neue Begegnung.
















