Es gehört zu Bremen wie Roland und Stadtmusikanten, wie Weser und Bürgerpark: Das Klinikum Bremen-Mitte ist aus der Stadt nicht wegzudenken. Fast 3000 Kinder kommen hier jedes Jahr zur Welt. Rund 20.000 Menschen werden jährlich in den 16 OP-Sälen des Hauses operiert, mehr als 40.000 Patienten aus Bremen und dem Umland suchen jedes Jahr die Notaufnahme auf. Rund 2400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sorgen dafür, dass Verletzte und Kranke gut versorgt werden – an 365 Tagen im Jahr und rund um die Uhr. Nun feiert Bremens größtes Krankenhaus sein 175-jähriges Bestehen.
Im August 1851 nahm das Krankenhaus am damaligen Rand der östlichen Vorstadt als „Städtische Krankenanstalt an der Wisch“ den Betrieb auf. Die Einrichtung galt als Nachfolger des Neustadtkrankenhauses, das Mitte des 19. Jahrhunderts schon knapp 160 Jahre alt war und den damaligen Anforderungen an die Krankenversorgung nicht mehr genügte. Der Neubau beherbergte 272 Betten, es gab ein Dutzend Säle mit je zehn Betten, aber auch 16 Einzelzimmer. Zeitgleich entstand auf dem Areal das sogenannte „Irrenhaus“. Es beherbergte getrennte Bereiche für ruhige Kranke, unruhige Kranke und so genannte Tobende. Das alte „Irrenhaus“ existiert heute nicht mehr: Das Haus, das vielen noch als „alte Frauenklinik“ bekannt ist, wurde 2010 größtenteils abgerissen. Heute steht hier ein Teil des Klinikneubaus.
Kurz vor dem Jahrhundertwechsel wurde ein weiteres Gebäude entlang der St.-Jürgen-Straße errichtet: das charakteristische, heute denkmalgeschützte rote Backsteingebäude nahm damals zunächst chirurgische Patienten auf. Später beherbergte es Augenklinik und Urologie, inzwischen ist es zu einer Grundschule umgebaut worden. Damals ideal: Eingangshalle und seitliche Türen waren so groß, dass von Pferden gezogene Krankenwagen durchfahren und die Kranken geschützt vor Regen und Wind ausladen konnten. Auch andere Details sind aus heutiger Sicht nur schwer vorstellbar: So gehörten zum 1900 eigeweihten Desinfektions- und Wirtschaftsgebäude beispielsweise eine Kartoffelschälküche, ein Milchkeller und eine Kaffeerösterei. Im Obergeschoss gab es Wohnraum für 24 Mägde, die von drei Küchenschwestern beaufsichtigt wurden.
Auch nach dem Jahrhundertwechsel vergrößerte sich das Krankenhaus weiter. Immer neue Gebäude kamen auf dem weitläufigen Gelände zwischen Bismarckstraße, St.-Jürgen-Straße, Friedrich-Karl-Straße und Am schwarzen Meer dazu – noch im Jahr 1963 beispielsweise das Chirurgische Zentralgebäude, das vielen Bremern als das „Chirurgiehochhaus“ ein Begriff ist. Erst Ende der Neunziger Jahre setzt sich die Erkenntnis durch, dass ein Krankenhaus mit so vielen unterschiedlichen, teilweise weit auseinander liegenden Bauten weder wirtschaftlich zu betreiben noch für die Patientenversorgung ideal ist. Jeweils die Hälfte der Belegschaft, so wird damals nur halb im Scherz behauptet, sei stets auf dem Gelände unterwegs, weil die Wege zwischen den Abteilungen so weit sind. So entsteht der Plan für einen kompakten Neubau, der die „Pavillonstruktur“ ablösen und das Klinikgelände von 19 auf sechs Hektar reduzieren soll. Die frei werdende Fläche soll zu einem neuen Stadtteil, dem neuen Hulsbergviertel, weiterentwickelt werden.
2019 wird der Neubau eröffnet. Operationen finden seitdem im hochmodernen Zentral-OP statt. Im Erdgeschoss des Neubaus sind Ambulanzen und Funktionsbereiche wie die Endoskopie untergebracht, im Untergeschoss befindet sich die Strahlentherapie mit ihren Linearbeschleunigern und weiterer Medizintechnik. „Mit dem Neubau haben wir kurze Wege geschaffen und dafür gesorgt, dass alle Spezialisten schnell erreichbar sind“, sagt Prof. Johann Ockenga, ärztlicher Direktor des Klinikums. „Das ist vor allem für die Bereiche ideal, die interdisziplinär arbeiten, beispielsweise unser onkologisches Zentrum. Bei komplexen und schweren Erkrankungen können alle erforderlichen Disziplinen eng zusammenarbeiten, so dass jeder Patient die optimale Therapie bekommt.“
2021 ziehen Geburtshilfe und Kinderklinik aus dem Klinikum Links der Weser in die St.-Jürgen-Straße und das ebenfalls neu gebaute Eltern-Kind-Zentrum Prof. Hess öffnet seine Pforten. Damit befinden sich jetzt alle Disziplinen der Kinderheilkunde – von der Frühchenstation über die Kinderchirurgie bis zur Pädiatrie und vielen Spezialambulanzen – unter einem Dach. Seit 2023 steht fest, dass das Klinikum Bremen-Mitte mit dem Klinikum Links der Weser fusionieren wird. Ab 2030 wird sich auch das Herzzentrum in der St.-Jürgen-Straße befinden. Bis dahin wird der Neubau noch einmal um zusätzliche Funktionsbereich erweitert: In einem Baukörper zwischen Neubau und Notaufnahme entstehen in den kommenden Jahren unter anderem Herz-OP-Säle und Herzkatheterlabore. Die Notaufnahme wird erweitert und die Aufbereitungseinheit für Medizinprodukte für den gesamten Klinikverbund am Klinikum Bremen-Mitte zentralisiert. „Auf diese Weise werden wir unser Unternehmen neu aufstellen und dafür sorgen, dass wir die gesundheitliche Versorgung der Menschen in Bremen und dem Umland auch für die Zukunft sicherstellen“, sagt Dr. Dorothea Dreizehnter, Vorsitzende der Geschäftsführung der Gesundheit Nord. Damit steht mehr als 175 Jahre nach der Eröffnung ein weiterer großer Schritt bevor: Das Klinikum wird zu einem echten Maximalversorger, in dem alle wichtigen Disziplinen unter einem Dach vereint sind.
Bildinfo (historisches Foto): Am 7. August 1851 nahm das Klinikum Bremen-Mitte den Betrieb auf – damals als „Städtische Krankenanstalt an der Wisch“. Das Gebäude auf dem Bild beherbergte damals psychisch kranke Patienten. Es wurde 2010 abgerissen, um dem Neubau Platz machen. Quelle: Staatsarchiv
















