Die Regel kennt eigentlich jeder: Bei heißem Wetter soll man ausreichend trinken. Aber was bedeutet das eigentlich genau? Wie viel ist „ausreichend“? Gastroenterologe und Ernährungsmediziner Prof. Johann Ockenga, Chefarzt der Medizinischen Klinik II am Klinikum Bremen-Mitte, erklärt, welche Flüssigkeitsmengen der Körper braucht und warum Flüssigkeit bei Hitze lebenswichtig ist.
Wasser ist für unseren Körper lebenswichtig. Zu mehr als 50 Prozent besteht er daraus. Wasser hält unseren Stoffwechsel aufrecht, transportiert Sauerstoff und Nährstoffe in die Zellen und Giftstoffe hinaus. Zudem ist das Wasser für die Regulation unserer Körpertemperatur zuständig. Ist uns warm, tritt Schweiß aus. Durch die Verdunstung auf der Haut wird unser Körper abgekühlt und vor Überhitzung geschützt. Damit das funktioniert, müssen wir genug trinken. „Für gesunde Erwachsene gilt ein Richtwert von 1,5 bis 2 Liter pro Tag“, sagt Ockenga. Eine gute Formel sei auch 35 Milliliter pro Kilogramm Körpergewicht. Über die Nahrung werde zusätzlich etwa ein weiterer Liter aufgenommen. „Aber der tatsächliche Bedarf ist individuell und hängt auch von Körpergewicht, Alter und sportlicher Aktivität ab“, so der Gastroenterologe und Ernährungsmediziner.
Und natürlich ist die Außentemperatur ein weiterer entscheidender Faktor. Denn wie beim Sport schwitzen wir bei hohen Temperaturen im Sommer mehr. Dadurch könne sich der Flüssigkeitsbedarf verdoppeln, sagt Ockenga. Wir müssen also an heißen Tagen deutlich mehr trinken als gewöhnlich. Tun wir das nicht, reagiert der Körper: „Wir können uns nicht mehr richtig konzentrieren, fühlen uns müde und bekommen Kopfschmerzen“, erklärt der Klinikchef erste Symptome. Dann ist aber auch schon Eile geboten. Denn – auch großer Durst ist schon ein Zeichen für eine beginnende Dehydrierung. Am besten sei es, über den Tag verteilt immer mal wieder kleinere Mengen Flüssigkeit zu sich nehmen, auch wenn man kein akutes Durstgefühl habe, rät der Mediziner. „Ganz viel auf einmal zu trinken, bringt nämlich auch wenig, weil der Körper die Flüssigkeit gar nicht speichern kann“, so der Klinikchef.
Sein Tipp: Immer Getränke griffbereit haben und sich notfalls Erinnerungen ins Handy programmieren. Gerade ältere Menschen sollten sich schon morgens mehrere Mineralwasserflaschen gut sichtbar zurechtstellen und diese über den Tag austrinken. Im Alter nehme das Durstgefühl weiter ab und es drohe noch schneller eine Hitzeerschöpfung mit Schwindel und Kreislaufproblemen oder gar ein gefährlicher Hitzschlag mit einer Körpertemperatur über 40 Grad und Bewusstseinseinschränkungen. „Das ist dann ein Notfall, der sofort im Krankenhaus behandelt werden muss“, sagt Ockenga.
Und natürlich ist es auch nicht egal, welche Getränke wir zu uns nehmen. Erste Wahl sind Mineralwasser und lauwarme ungesüßte Früchte- oder Kräutertees. Heiße oder eiskalte Getränke hingegen bringen wieder Unruhe in den Temperaturhaushalt. Eher meiden sollte man auch zuckerreiche Limonaden, die eher noch durstiger machen, oder Alkohol. Zusätzlich tun Obst und Gemüse mit einem hohen Wassergehalt dem Körper bei Hitze gut, um den Flüssigkeitshaushalt zusätzlich zu unterstützen.
















