Was ist dran an den Mythen zum Thema Sonnenschutz?

Prof. Markus Zutt, Chefarzt der Dermatologie am Klinikum Bremen-Ost, erklärt, warum auch gebräunte Haut Sonnenschutz braucht, Sonnencremes nicht schädlich sind und Kleidung nicht vor Sonnenbrand schützt

Portraitfoto Herr Prof. Zutt

Im Schatten braucht man keine Sonnencreme. Mit T-Shirt bekommt man keinen Sonnenbrand, ein leichter Sonnenbrand sorgt sowieso für schöne Bräune - und sind Sonnencremes nicht vielleicht sogar eher schädlich? Es gibt viele Mythen zum Thema Sonnenschutz. Prof. Markus Zutt, Chefarzt der Klinik für Dermatologie am Klinikum Bremen-Ost, erklärt, warum diese Mythen gefährlich sind und was man beim Hautschutz stattdessen beachten sollte, um die Haut langfristig gesund zu erhalten. 

„All diese noch immer verbreiteten Mythen sind nicht nur totaler Quatsch, sie sind auch gefährlich“, sagt Dermatologe Markus Zutt. Im Grunde, so Zutt, könne Bräune eigentlich gar nicht wirklich schön sein, weil sie immer Ausdruck einer Hautschädigung sei. Bekommt der Körper zu viel UV-Licht ab, wird die Produktion des körpereigenen Melanins angeregt. Es wird mehr Pigment produziert, um die Haut schützen. „Das bedeutet aber nicht, dass man mit etwas gebräunter Haut nicht trotzdem einen Sonnenbrand bekommen kann“, sagt Zutt. Auch gebräunte Haut braucht weiterhin Sonnenschutz. Ein Sonnenbrand sei immer eine Entzündungsreaktion und eine Entzündung sei nie gut für den Körper, erklärt der Dermatologe. Durch Sonnenbrände entstehen Genveränderungen in den Zellen. Zwar räumt das körpereigene Reparatursystem die meisten dieser mutierten Gene ab, aber die Reparaturmechanismen sind im Laufe des Lebens irgendwann aufgebraucht. Bei dem einen früher, bei dem anderen später. Wer in der Kindheit und Jugend schon viele Sonnenbrände hatte, ist dabei umso gefährdeter, ebenso Menschen mit sehr heller und empfindlicher Haut. Gerade weil die Reparaturfähigkeit des Körpers abnimmt, sollten gerade auch ältere Menschen konsequent auf einen guten Sonnenschutz achten. Kommt der Körper beim Aufräumen nicht mehr hinterher, kann aus den Genveränderungen schwarzer Hautkrebs entstehen – trotz inzwischen besserer Behandlungschancen auch heute noch eine der schwersten und gefährlichsten Krebserkrankungen überhaupt. 

Und wenn ich mich nur im Schatten aufhalte, Arme und Beine mit leichter Kleidung bedecke oder der Tag eh bewölkt ist? „Keine Gründe, keinen Sonnenschutz aufzutragen“, sagt Zutt entschieden. Schatten und leichte Baumwoll-Kleidung entsprächen einem Lichtschutzfaktor von 8 bis 10. Das sei viel zu wenig und so könne man auch unter dem Shirt oder unterm Baum einen Sonnenbrand bekommen. Zutt empfiehlt Sonnencreme mit dem Lichtschutzfaktor 50 +, egal wie das Wetter dann wird, oder das Tragen spezieller UV-Kleidung, die sogar einen Lichtschutzfaktor von 80 bis hundert haben kann. 

In jüngster Zeit sind zudem neue besorgniserregende Thesen zum Thema Sonnenschutz im Umlauf: Sonnencreme-Filter sollen krebserregende Stoffe enthalten. Dermatologe Zutt erklärt: „Das stimmt so nicht. Sonnenschutzmittel sind nicht schädlich.“ Im Verdacht stünden Produkte, die schon länger abgelaufen oder falsch gelagert worden seien, beispielsweise im aufgeheizten Auto. In diesen Produkten könnten sich chemische Verbindungen zersetzten und verändern und dann im Zusammenspiel mit UV-Strahlen zu potentiell krebserregenden Substanzen werden. Dies gelte für Inhaltsstoffe wie zum Beispiel Benzophenon-3 (Oxybenzon) oder Octocrylen, aber auch Parabene oder PEG-Verbindungen. Um sicher zu gehen, rät Zutt, Sonnenschutzmittel nach Ablauf des Haltbarkeitsdatums und bei Veränderungen der Konsistenz, Farbe oder des Geruchs nicht mehr zu benutzen. Ohnehin sollten geöffnete Produkte aus dem Vorjahr aufgrund von Wirkungsverlust nicht mehr angewendet werden. 

Eine These zur Thema Haut ist allerdings kein Mythos: Konsequenter hoher Sonnenschutz ist das beste Mittel gegen vorzeitige Hautalterung. Wer das beherzigt und nicht raucht, hat gute Chancen, auch im Alter noch einen strahlenden Teint und eine glatte Haut zu haben.

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